Montreuil : Bericht von der Demo „Besetzen wir die Häuser, zerstören wir die Knäste“

Am Freitag, dem 16. Februar versammelten wir uns gegen 19 Uhr beim Croix de Chavaux in Montreuil¹ für eine Demo gegen die Mieten, die Vertreibungen und das Gefängnis.

Einige Bullen der CRS und in zivil postieren sich am Ende der Strasse. Wir besammeln uns dennoch, ein bisschen Musik, einige Transparente und allmählich zählen wir ungefähr 250 Personen. Einige Redebeiträge folgen aufeinander (wieso diese Demo, das Kollektiv Baras², über die Geschichte von Alfidel³, über die Besetzung an der Universität Paris-8⁴, das Kollektiv Gambetta, ..)

Ein wenig nach 19 Uhr 30 ziehen wir in Richtung rue de Paris und Marktplatz los: Slogans, Gesang, Flugblätter (Aufruf zur Demo, „La prison pour personne“, Stellungnahme der Gefangenen in Fleury-Mérogis, Aufruf zu einem Abend der Unterstützung beim Kollektiv Baras), Plakate, Tags, Farbeier.

Die Demo wird auf den Strassen eher positiv aufgenommen. Wir machen einen kleinen Halt neben der halle Dufriche, in der sich mehrmals Romas niedergelassen hatten und von der Stadtverwaltung vertrieben wurden, und danach beim Haus Bara, in dem immer mehr Wohnungen zugemauert werden und so nach und nach geschlossen wird. Erneuter Halt dann beim Architekturbüro Archi5, das beim Bau von Gefängnissen beteiligt ist (insbesondere Condé-sur-Sarthe und Vendin-le-Veil)… Parolen gegen die Knäste werden angestimmt und mit Tags und Farbeierwürfen, hauptsächlich auf Immobilienbüros und Banken, ziehen wir weiter. Im Quartier, in dem eine dreckige Geschichte der Stadtverwaltung als Vorwand dient, die Videoüberwahung auszubauen, werden Plakate aufgeklebt, die zur Sabotage an den Kameras aufrufen.

Hinter der Demo sehen wir, wie vier Teenager von den Bullen kontrolliert werden. Die Demo dreht um und bringt die Bullen aus dem Konzept. Diese beenden die Kontrolle und verschwinden schnell. Ein erstes Feuerwerk wird gezündet und wir gehen weiter auf der rue de Paris… Ein zweites Feuerwerk belebt den Kreisel beim Croix de Chavaux. Wir nehmen den Boulevard Rouget-de-Lisle, die Strasse der Banken und Immobilienbüros. Die Spraydosen sind noch immer voll, um zu sagen, was wir von all diesen Agent*innen der Gentrifizierung und des Kapitalismus halten!

Einige Lieder weiter kommen wir bei der Stadtverwaltung von Montreuil an, zufrieden, dass wir die Strassen für zwei Stunden genommen haben, ohne über die Bekleidung oder Route der Demo mit den Bullen zu verhandeln und ohne unsere Absichten und Ideen zu verstecken.

Hoffentlich bis zum nächsten Mal!

Ein paar Beteilitgte

 

[Übersetzung: Aus dem Herzen der Festung]

[en français][in english]


Anm. von AdHdF

¹ Die Stadt Montreuil grenzt gen Osten unmittelbar an Paris.

² Im Kollektiv Baras organisieren sich rund 150 Migrant*innen aus Ost- und Zentralafrika, die nach dem Ausbruch des Krieges 2011 in Libyen nach Frankreich gezogen sind. Als Menschen ohne Status und all deren Konsequenzen, kämpfen sie für ihre sofortige Regularisierung. Nachdem ihre Anfragen nach einem Dach über dem Kopf mehrmals abgewiesen wurden, begannen die Sans-Papiers Häuser zu besetzen.

³ Alfidel versuchte am 24. Oktober 2017 zusammen mit einer kleinen Gruppe tschadischer Migrant*innen ein Haus zu besetzen, wurde allerdings verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt. Am 25. Oktober 2017 wurde er von der Justiz, die die versuchte Besetzung als versuchten Einbruchsdiebstahl umdeutete, zu einem Jahr Haft verurteilt. Das Urteil in der Berufungsverhandlung steht noch aus. Am 22. Januar 2018 wurde Alfidel, nachdem er einen Ausbruch versuchte, in die Arrestzelle gesteckt. Der Prozess wegen versuchtem Ausbruch wird am 07. März stattfinden. So oder so droht ihm eine Abschiebung.

Seit dem 30. Januar 2018 besetzen Menschen im Exil und Unterstützer*innen ein Gebäude in der Universität Paris-8 in Seint Denis, um gegen die europäische Migrationspolitik zu protestieren.

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